Zweiter Besuch Hogoš / Kelebija Serbien 08.07.16

24. Juli 2016
/ / /

Nach einem Tag Ruhe sind wir am 06.07.2016 weiter nach Sofia gefahren, da wir wissen, dass ein Teil der Geflüchteten die Route über Bulgarien wählt. Wie zuvor http://reclaimyourbrain.de waren auch diesmal kaum Informationen darüber zu finden. In der Hoffnung, unterwegs oder vor Ort mehr zu erfahren, fahren wir los. Kein Erfolg, Bulgarien bleibt für uns ein blinder Fleck auf der Karte.

Konkreter Informationen erreichen uns dann während der Weiterfahrt: es gibt mehrere offene Camps um Sofia herum, einige „asylum centers“ und am Sonntag wird vor einem von ihnen eine antirassistische Demonstration stattfinden, an der auch das Moving-Europe Team, das wir schon in Belgrad getroffen haben, teilnehmen wird. Sie waren bereits in Sofia und haben sich mit den Menschen von Bordermonitoring vernetzt und berichten, dass die Support Strukturen sich, nicht zuletzt aufgrund konsequenter staatlicher Repression und Polizeigewalt, noch im Aufbau befinden. Mehr dazu unter:

http://bordermonitoring.eu/

http://www.asylum.bg

http://www.unhcr.org/bulgaria.html

 

Heute fahren wir weiter nach Horgoš, dem zweiten Camp an der serbisch- ungarischen Grenze neben Kelebija bei Subotiča. http://reclaimyourbrain.de Dieses Lager liegt weit außerhalb jeder bewohnten Gegend im Niemandsland zwischen den serbischen und ungarischen Grenzanlagen und ist nur über Feldwege oder illegale Abfahrten von der Autobahn zu erreichen. hogoš

Die uns übermittelten Zahlen der Menschen im Camp lassen ein auf eine deutliche Dynamik schließen: innerhalb der letzten 2 Wochen gab’s eine Verdopplung von 200 auf 400, heute berichtete uns ein Mitarbeiter von MSF von 600 Menschen im Camp. Da zur Zeit deutlich mehr Flüchtende ankommen als die 15, die die ungarische Grenze legal passieren dürfen, ist ein weiteres Anwachsen des Lagers zu erwarten. MSF rechnet damit, dass alle gerade ankommenden ca 1 – 2 Monate hier ausharren müssen. Dabei fehlt es den Menschen, die hier meist nur mit einem Rucksack ankommen, am Nötigsten- Bekleidung, Decken, Zelte, Nahrung. Im Camp gibt es keine benutztbaren Sanitäranlagen, keinen Strom und keine Unterkünfte. Uns wird berichtet, dass für einmaliges Hnady-Aufladen 5 Euro verlangt wird. Um die medizinischen Versorgung kümmert sich MFS, die 6 Tage die Woche im Camp präsent sind.

Aktivist*innen aus dem Umkreis von Refugeesupport Serbia, von denen wir einige in Belgrad kennengelernt haben, haben sich einen „Stützpunkt“ in der Nähe des Camps gesucht und versuchen, die Flüchtenden mit dem Notwendigsten zu versorgen. Dem Team hat sich der Bus vom Projekt Alf (Links)angeschlossen, die vor Ort für die Menschen kochen, da das Essen hier wie bereits berichtet ungesund und ungenügend ist. Helfende Hände und Spenden sind knapp und ein Ende der sich verschärfenden Situation in Serbien nicht in Sicht, da sich die Zahl der Menschen, die hier auf ihrem Weg nach Norden festhängen noch durch die Zahl der Push-backs (Refugees, die nach illegaler Einreise aus Ungarn nach Serbien zurückgeschickt werden) noch erhöht. Also noch einmal der Aufruf: kommt vorbei oder spendet, hier wird es gebraucht!!!

Read More

Abschließende Einschätzung (08.07.2016)

8. Juli 2016
/ / /
  1. Der Eindruck, der sich bei uns immer mehr verfestigt, ist folgender:

Es ist den griechischen und europäischen Institutionen weitestgehend gelungen, die Bewegung der Migration unter ihre Kontrolle zu bringen. Die allermeisten Camps in Griechenland sind unter der Kontrolle des Militärs bzw. der Polizei oder zumindest abhängig von deren Legitimation. Angesichts dessen, wofür das Militär in unserer Gesellschaft vorgehalten wird, muss man sich fragen, ob sich der gegenwärtige Zustand als eine Form des Krieges gegen einen Feind beschreiben lässt, der -das ist der Unterschied- schon innerhalb der als das Eigene definierten Grenzen steht. Nur ein Eindruck, der sich uns im Verlauf dieser Reise immer mehr aufdrängt und bei dem die Protagonisten auch nicht ganz offensichtlich sind. Und das Wissen um die Geschichte des griechischen Militärs und die Diktatur der Junta bis 1974 lässt seinen Einsatz im Inneren noch einmal fragwürdiger erscheinen.

Es wird dadurch für unabhängige Strukturen des Refugee Supports, d.h. Unterstützung, die sich mehr als politischen Kampf denn als Hilfe um ihrer selbst Willen begreift, immer schwerer, an die Menschen heran zu kommen und dieser staatlich verordneten Isolation etwas entgegen zu setzen. Angesichts dieser Situation gehen die vielen, aus den unterschiedlichsten Spektren kommenden Aktivist*innen, unterschiedliche Wege, um weiterhin handlungsfähig bleiben zu können.

Da sind zum einen die, die sich der neuen Realität dadurch anpassen, dass sie registrierbare Mini- NGOs gründen und damit weiter in den Camps arbeiten können. Ein Beispiel dafür ist die medizinische Hilfe durch Team Kitrinos, einer vor allem durch 2 Menschen getragene NGO, hervorgegangen aus unabhängig arbeitenden Strukturen in Moria/ Lesvos. Leider ist zumindest bei dieser Gruppe wenig von der Arbeits- und Umgangsweiseweise, die auf Lesvos noch von Autonomie und Antiautorität geprägt war, übrig geblieben.

Dem gegenüber versuchen weiterhin Menschen, die sich bietenden Lücken außerhalb und innerhalb der Camps zu nutzen, um beispielsweise Informationen aus den Camps heraus und hinein zu tragen- eine für die Geflüchteten ähnlich überlebenswichtige Funktion wie die Bereitstellung von Essen und Unterkunft. Siehe dazu auch unseren Beitrag zum Info- Team Skopje / Thessaloniki. Auch größere Gruppen, die den bürokratischen Aufwand der Überprüfung und Registrierung scheuen oder sich prinzipiell dagegen entscheiden, wählen diesen Weg. So fanden wir beispielsweise den Food- Truck von Al Khair außerhalb der offiziellen Grenzen von Camp Softex, von wo aus sie deutliche besseres Essen als das des Militärs an die Menschen verteilen und gleichzeitig ein Link in die Außenwelt sind.

Und zuletzt sind da noch die Menschen, die trotz der zunehmenden Repression, die in den verschiedenen Ländern auf der Route unterschiedlich ausgeprägt ist, den Flüchtenden helfen, ihren Weg fortzusetzen. Sie versorgen sie mit all dem, was Menschen brauchen, die versuchen, jenseits der regulierten Routen zu reisen.http://reclaimyourbrain.de/allgemein/04-07-2016-drama-thessaloniki

Die Androhung und Erfahrung von körperlicher Gewalt und Haftstrafen bis zu 2 Jahren macht diese Arbeit besonders gefährlich. Trotzdem sind es gerade diese Strukturen, die den Menschen eine Fortsetzung ihrer Flucht ermöglichen und oft die einzige Alternative zu unzuverlässigen , gefährlichen und vor allem teuren Schmugglerstrukturen bietet.

Dies alles berücksichtigend, müssen sich linke Unterstützer*innen fragen lassen, welche Rolle sie in Zukunft in dieser sozialen Bewegung der Migration übernehmen können, ohne als Legitimation und Reproduktion eines inzwischen pan-europäischen Grenzregimes herzuhalten. Angesichts militärisch befestigter Grenzen, bewaffneter Frontex- Schiffe und tief vernetzter Bürokratie der Registrierung scheint ein direkter Widerstand immer aussichtsloser und wenig Erfolg versprechend. Ob der Ansatz, politischen Druck durch Öffentlichkeitsarbeit aufzubauen, wie ihn beispielsweise watch the med / bordermonitoring

(www.watchthemed.net, http://www.bordermonitoring.eu) http://reclaimyourbrain.de/allgemein/off-topic/

verfolgen, Veränderungen zugunsten der Flüchtenden erzwingen kann oder nur weitere, zunehmend irrelevante Wellen der medialen Empörung schlägt, bleibt abzuwarten.

 

Ein interessanter Ansatz scheint uns die Wiederbelebung der fast aus der Mode gekommenen Widerstandsform der Besetzung in Verbindung mit antirassistischen Praktiken zu sein. Hier stößt die Erfahrung autonomer Aneignung auf den Bedarf nach sicheren Räumen, in denen gleichzeitig Refugees unterkommen können und sich Menschen versammeln, die der staatlich verordneten Realität der Ausgrenzung und Repression eine Praxis der Solidarität entgegen setzten. Der Umfang dieser Projekte reicht dabei vom kleinen Häuschen ohne Strom und Wasser in der Altstadt von Thessaloniki bis hin zum City Plaza Hotel in Athen (http://moving-europe.org/athen-hotel-city-plaza/ ),in dem derzeit 400 Geflüchtete und ungezählte Unterstützer*innen ihre Bleibe gefunden haben.

Read More

Camp Drama, Nordgriechenland (30.06. – 04.07.2016)

5. Juli 2016
/ / /

In unserer Zeit im Camp haben wir das Glück, eine Gruppe spanischer Zahnärzt*innen kennenzulernen, die sich dem Team Kitrinos angeschlossen haben, um im Camp zu arbeiten. Zuvor haben sie in anderen Camps zu arbeiten versucht, aber sie wurden wegen fehlender Legitimation durch das Militär/Polizei abgewiesen. Im Camp Drama arbeiten sie nun mehrere Wochen non stopp und sind die ganze Zeit gut gelaunt und sehr hilfsbereit. Ihre Präsenz im Camp ist extrem wichtig, da es viele Menschen darunter viele Kinder kariöse und verfaulte Zähne haben, die dringend behandelt werden müssen. So verwandelt sich ein Raum der Klinik in eine Zahnarztpraxis mit entsprechendem Instrumentarium und es werden im Akkord Zähne gezogen, gefüllt, gereinigt usw. Und nebenbei werden wir noch in die Grundlagen der Notfall-Zahnmedizin eingeweiht – sehr nützlich in Konditionen wie diesen. Um so ärgerlicher, dass sie zu all den anderen Camps, in denen uns desaströse Gebisse gezeigt wurden, keinen Zugang haben.

In einem Fall musst einem 6jährigen Mädchen 8 Zähne auf einmal gezogen werden. Da das in wachem Zustand nicht zumutbar wäre, wird Stefan gebeten, eine Kurznarkose durchzuführen, anschließend bekommt sie von uns noch die i.v. Antibiose. Gesagt, getan- so können wir uns gegenseitig in unserem Tun unterstützen und auch anspruchsvollere Prozeduren im Camp möglich machen. Sollte viel häufiger so sein!!!

Während unserer Anwesenheit im Camp hält sich die Anzahl der Patienten und die Schwere der Erkrankungen in Grenzen. Immer öfter stellen wir die Sinnhaftigkeit unserer Präsenz in Frage und überlegen uns, ob wir anderswo dringender gebraucht werden. Auch die Kommunikationsstrukturen und Hierarchien sowie die Abwesenheit von Team-Besprechungen und -Entscheidungen innerhalb der NGO gehen uns gegen den Strich.

Nachdem wir uns das Ganze einige Tage angeschaut haben und uns zunehmend unwohl fühlen, beschließen wir, das Experiment abzubrechen. Der Gedanke, durch die medizinische (um nur ein Beispiel zu nennen) Tätigkeit hier, eine unmenschliche, politische unhaltbare Situation, nämlich Menschen auf der Flucht in Lager einzusperren und vom Militär bewachen zu lassen zu unterstützen, wird immer klarer und die Arbeit hier damit unerträglich. Es dürfte diese Camps nicht geben und unser Tun legitimiert ihre Existenz. Darüber hinaus müsste es Aufgabe der EU sein, hier eine dauerhafte, kontinuierliche, medizinische Versorgungsstruktur aufzubauen. Stattdessen nimmt ihnen eine NGO diese Verantwortung ab und die Menschen sind abhängig von ihren Launen, Proffessionalität und letzlich ihrem Durchhaltevermögen, ganz zu Schweigen von der Abhängigkeit von Spenden und des unvorhersehbaren mangelnden Commitments der Mitarbeiter, die alle auf ehrenamtlicher Basis agieren. Darüber hinaus gab es keinen dringenden Bedarf an der kontinuierlichen Präsenz mehrerer Ärzt*innen, so dass uns die Aufstellung und investierte Energie vom Team Kitrinos übertrieben erschien.

In den meisten bisher besuchten Camps scheint der Bedarf an medizinischer Versorgung derzeit ausreichend gedeckt durch Militär bzw. lokale Strukturen sowie große NGOs wie MDM (Medicines del monde), Red Cross…. Und das Herankommen an die Geflüchteten als unabhägige*r Freiwillige*r ist viel schwieriger als vorher von uns angenommen.

Read More

Drama – Thessaloniki (04.07.2016)

5. Juli 2016
/ / /

Trotz der formal geschlossenen Grenzen nach Zentral- und Nordeuropa machen sich weiterhin Geflüchtete zu Fuß auf den Weg. Bedingt durch die Repression in den Transitländern ist es fast unmöglich, dort offene unterstützende Strukturen aufzubauen und zu unterhalten. Daher wird versucht, die Menschen schon zu Beginn der weiteren Flucht sowohl mit ausreichenden Informationen als auch mit dem nötigsten medizinischen Material zu versorgen.

Angesichts dessen, dass wir mehr Medikamente und Verbandsstoffe im Auto mit uns herum fahren als wir sinnvoll einsetzen können, packen wir 50 zip-lock- Tüten mit Schmerz- und Desinfektionsmitteln, Binden, Kompressen, Rehydrierungspacks und Pflaster und übergeben sie denen, die sie weiter geben.

Read More

Camp Drama, Nordgriechenland (30.06.2016)

5. Juli 2016
/ / /

Das Team Kitrinos war bis zu dessen Räumung im Camp Eco, einem der selbstorganisierten Camps bei Idomeni, tätig und wurde nun gebeten, die medizinische Versorgung im offiziellen Militärcamp Drama zu übernehmen. Bisher wurde diese durch freiwillige Ärzt*innen aus lokalen Kliniken und Praxen geleistet, die die Doppelbelastung aus Lohnarbeit und Arbeit im Camp gerne abgeben wollten. Um im Camp operieren zu dürfen, musste aus dem Team unabhängiger Mediziner*innen eine offizielle NGO werden. Das Team wird koordiniert durch Dr. Siyana, eine englische Muslimin, die zuvor bereits in Eco und auf Lesvos im Health Point Project aktiv war. Da wir gute Erfahrungen mit den Strukturen des Health Points hatten, setzten wir uns auch über unsere Skepsis bezüglich der Arbeit in einem Militärcamp und mit einer NGO hinweg und vereinbaren eine Kooperation.

https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1z-XaJ3jHb66BEKjvqxwLwvxFFo0&hl=en_US

Wir treffen Dr. Siyana und ihr Team, bestehend aus einem Koordinator/ Logistiker, einem Übersetzer/Fahrer und freiwilligen Ärzt*innen, Apotheker*innen, Krankenpfleger*innen … in einem Hotel in der Stadt Drama und fahren dann ins außerhalb gelegene Camp. Es befindet sich in einem von jeder öffentlichen Infrastruktur abgeschnittenen Industriegebiet inmitten von Speditionen, Lagerhallen und Fabriken. Es ist der erste Tag, an dem das Team die Versorgung im Camp übernimmt. Strukturen bzw. ein Konzept scheint es nicht zu geben, einen Schichtplan auch nicht, die Kommunikation holpert und auch die Pharmacy, in der Spenden gelagert werden, befindet sich noch im Aufbau. Hinzu kommt, dass Ramadan ist und die Menschen im Camp bis weit in den Tag schlafen und erst abends zum Fastenbrechen und Beten aktiv werden (und eine Ärztin aufsuchen).

Im Camp Drama leben zur Zeit 400 Menschen hauptsächlich aus Syrien, es sollen aber in Zukunft mehr werden. Sie sind in einer großen Halle einer ehemaligen Tabak- Fabrik untergebracht. Die Halle ist mit Trennwänden in „Wohneinheiten“ unterteilt. Geschlafen wird auf Feldbetten, gebetet auf UNHCR Decken. Es gibt eine Essensausgabe, bei der es Mahlzeiten aus Alukartons (Militäressen) ausgeteilt werden- vitamin- und geschmacksfrei. Obst und Gemüse steht selten auf dem Speiseplan. Aber bald soll das Essen von den umliegenden Restaurants geliefert werden… mal sehen, wann bald ist.

Es gibt wenig Ablenkung vom Warten und der Auseinandersetzung mit der eigenen Situation. Einen großen Bildschirm mit Holzbänken davor wie in einem notdürftigen Kino und eine Schule, deren Lehrer abgeschafft wurden, so dass sich die Geflüchteten jetzt gegenseitig unterrichten.

Die Klinik besteht aus mehreren Holzhütten vor dem Wohngebäude und umfasst Behandlungsräume für Frauen, Kinder, Männer und einem kleinen Lagerraum.

Die medizinische Arbeit ähnelt der in einer allgemeinmedizinischen Praxis: Husten, Schnupfen, Schwindel, Wunden… für schwerere Fälle besteht eine gute Zusammenarbeit mit den lokalen Krankenhäusern, berichtet Siyana. Wir machen keine direkten Erfahrungen dieser Art. Auch die zuvor im Camp tätig gewesenen Ärztinnen stünden bei Problemen zur Verfügung.

Read More

off topic: Alarmphone

5. Juli 2016
/ / /

Da wir auf der Landroute dem selben Phänomen begegnen wie auf den Seewegen- dem Schweigen und der Ignoranz derjenigen, die versuchen, Flucht gewaltsam zu verhindern, hier der Link zu weekly report von watch the med / alarmphone:

https://alarmphone.org/en/2016/06/26/weekly-reports-where-is-europes-outrage-continued-border-transgressions-and-struggles-in-times-of-mass-drownings-push-backs-and-europes-silence/?post_type_release_type=post

Read More

Camp Lete Derveni, Camp Softex II, Thessaloniki (29.06.2016)

3. Juli 2016
/ / /

Von den lokalen Unterstützer*innen hören wir, dass es ein Camp gibt, in dem es keine medizinische Unterstützung gibt. Als wir nach Camp Lete Derveni kommen erleben wir die schon oft zuvor erfahrene Situation: Am Tor Militär und Polizei, die uns den Zugang verwehren. Gleichzeitig sehen wir durch den Zaun auch hier Mitarbeiter*innen und die mobile Klinik einer NGO, die die Menschen hier versorgen. Die Situation in den Lagern scheint eine sehr dynamische zu sein, so dass selbst die Supporter*innen vor Ort manchmal kaum hinterher kommen.

Da wir am Vortag versprochen hatten, noch einmal im Camp Softex vorbei zu kommen stellen wir uns pünktlich zur abendlichen Essensausgabe neben den Food- Truck von Al- Khair http://alkhair.org/. Zusammen mit uns kommt auch der Van des Info- Teams an und gemeinsam können wir zumindest kurzzeitig das Bedürfnis nach medizinischer Versorgung, Information zum l,egal procedure und vor allem Aufmerksamkeit für ihre Geschichten bedienen. Und die Tatsache, dass wir, obwohl es im Camp eine medizinische Präsenz gibt, gebeten werden, bald wieder zu kommen, zeigt uns die Richtigkeit unserer Arbeit. Und damit verbunden noch einmal der Aufruf: Wenn ihr unterstützen wollt, lasst euch nicht davon abhalten, dass ihr nicht von vorn herein wisst, wo genau ihr was machen werdet. Wenn ihr wollt, werdet ihr Menschen treffen und Orte finden.

Das Info- Team ist eine Gruppe von Menschen, die aus den Strukturen des Info- Tents aus Idomeni hervorgegangen sind und jetzt gemeinsam mit Aktivist*innen aus Skopje von Thessaloniki aus die Camps anfahren. Dabei geht es ihnen darum, sowohl Informationen aus den Camps heraus weiter zu verbreiten und vor allem die Geflüchteten mit Wissen zum legalen Prozess zu versorgen.

Read More

Camp Softex, Thessaloniki (28.06.2016)

30. Juni 2016
/ / /

Das Camp Softex ist eines der größten in der Gegend um Thessaloniki. Es befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Fabrik für Hygiene- und Papierartikel (daher der Name Softex) und hat Kapazitäten für 3000 Menschen, zur Zeit leben hier ca. 1800 Menschen- die Zahl fluktuiert.

Die Menschen sind zum Teil auf dem Außengelände in UNHCR Zelten für 6-8 Personen untergebracht, zum Teil in individuellen Zelten in einer großen Halle. Die Sanitäranlagen, bestehend aus Dixietoiletten und Waschbecken, befinden sich ebenfalls im Außenbereich ohne Privatsphäre. Medizinische Versorgung wird durch das Deutsche (Internationale) Rote Kreuz geleistet.

Die Athmosphäre ist bedrückend, es sind kaum Menschen zwischen oder vor den Zelten zu sehen, das Camp scheint unbewohnt, ohne Leben, Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit liegen in der Luft. Im Gegensatz zu Camps wie Idomeni hört man hier kaum Kinderlachen, Rufen, Sprechen, Geschirrklappern, Zigarettenverkäufer, streitende Teenager… als ob die Zeit still stehen würde. Angesichts eines mit Stacheldraht umzäunten, von Militär und Polizei bewachten Lagers in einer Industriebrache, aus der es zwar formal ein Entkommen, aber reell kein Weiterkommen gibt, ist das kaum verwunderlich. Auch aufgrund der Lage an der zentralen Bahnstrecke nach Norden, ist hier ein Knotenpunkt für Schmuggler entstanden, was zur Angespanntheit der Lage beiträgt.

Darüber hinaus sind die Menschen hier sozial isoliert und von jeglicher Zivilisation abgeschnitten. Das Lager ist zwar -noch- offen für Geflüchtete, aber weit außerhalb der Stadt gelegen und nicht zugänglich für Menschen von außen, solange sie nicht einer der wenigen tolerierten NGOs angehören.

Wir sehen neben dem Roten Kreuz einen Bus von Intervolve auf dem Gelände. Am hinteren Ende des Geländes sehen wir einen großen Bus, der uns aus Idomeni bekannt ist: die Organisation „Al Khair“ http://www.alkhair.org kocht auch hier für 300-400 Menschen täglich- nach Ende des Ramadans werden sie noch mehr Mahlzeiten zubereitet.

Aufgrund illegaler Einreise (durch eine Seitentür im Zaun) machten wir beim Verlassen des Camps Bekanntschaft mit Militär und Polizei. Wir konnten uns zwar innerhalb des Camps frei bewegen, aber auch nur, da wir ungesehen auf das Gelände gelangt waren. Beim Hinausgehen wurden wir festgehalten, unsere Papiere geprüft, Namen notiert, mißtrauisch nach dem Grund unseres Besuches gefragt und bekamen die Ansage, dass dieses Mal zwar ein Auge zugedrückt werde, sollten wir aber erneut auf dem Gelände erwischt werden, würde das ernsthafte Konsequenzen für uns haben. Um offiziell auf das Gelände zu kommen, muss man entweder einer registrierten NGO angehören oder selbst eine Genehmigung des „Ministry of Defence“ aus Athen haben, dem das Camp untersteht.

 

Read More

Antira Demo in Thessaloniki (28.06.2016)

29. Juni 2016
/ / /

Am Abend begleiten wir Genoss*innen in Thessaloniki zu einer von Geflüchteten organisierten Kundgebung mit anschließender Demo durch die Innenstadt.

image

image

Vor circa 300 Menschen fordern die Refugees ein Bleiberecht in Griechenland bzw. freedom of movement in Europe. Expliziert kritisiert wurde die Rolle Deutschlands beim Deal mit der Türkei: „Fuck Merkel, fuck Germany!“

Read More
hallo welt